Das Kreuz mit der ‘Zielgruppe’

Wenn sich die Marketingverantwortlichen der TV-Sender den Beitrag The Most Watched TV Shows Are Not The Most Talked About Online durchlesen (würden), dann sollte sich ein allgemeines Stirnrunzeln einstellen. Warum? Ganz einfach, wenn man der Untersuchung Glauben schenken möchte, dann differiert das Interesse der gemessenen Zuschauer(innen) und das derjenigen, die sich über TV-Sendungen im Internet austauschen. Soll heissen, Sendungen mit vielen gemessenen Zuschauern(innen) sind im Internet nicht unbedingt von Interesse. (Es handelt sich hierbei um Zahlen aus den USA, aber der Trend dürfte auch auf Deutschland zutreffen.) Die Crux hierbei, wohin soll das Marketing-Budget gehen? Zu der Zielgruppe der gemessenen Zuschauer oder zu der Zielgruppe im Internet?

Warum stellt das ein Problem dar?

Die meisten Fernsehsender werden als Unternehmen geführt, welches Profite erwirtschaften soll; klingt desillusionierend, ist aber so. (Dass die “Öffentlich-Rechtlichen” auch auf Quoten schielen, anstatt sich auf Inhalte zu konzentrieren, steht auf einem anderen Blatt.) Wenn eine, teuer gekaufte oder auch eigenproduzierte, Serie nicht die gewünschten Zuschauerzahlen, also Quote, bringt, dann muss das Marketing entweder gegensteuern oder empfehlen, das Projekt zu beerdigen. In beiden Fällen stellt sich die Frage, welche Zahlen sollten zugrunde gelegt werden?

Gibt es eine Lösung?

Die allein selig machende Antwort existiert nicht, wie die Zuschauerproteste bei Absetzung von bestimmten Serien zeigen. Die “Quote” schien nicht zu stimmen, also wurde das Projekt abgesetzt; wenn dann aber die Protestmails in riesigen Mengen auf die Redaktion einprasseln, scheint die Messung diese irgendwie nicht erfasst zu haben. Jetzt auf die Firmen oder Institutionen einzuschlagen, welche die Messwerte geliefert haben, kann nicht der richtige Weg sein. Auch wenn es in den Hochglanzprospekten der Dienstleister anders herüberzukommen scheint, Zuschauermessungen sind Näherungswerte, nichts weiter. Die Verantwortlichen täten gut daran beide Messungen zu hinterfragen, respektive die gelieferten Zahlen zu überlagern und dann eine Entscheidung zu treffen. Wer die Macht der Social-Networks unterschätzt, statt sie zu nutzen, ist selbst schuld.

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